Lebensstil

Ding meines Lebens

Dieses kleine Teil mit seiner schönen Form und den blauen Glocken­blumen erzählt von meiner Oma Stefanie – einer einfachen und zugleich besonderen Frau. Hier erfährst du, warum ich mich gerne an sie erinnere und was dieses kleine Teil überhaupt ist.

Was du am Bild siehst, ist eine Menagerie für Salz und Pfeffer. Sie ist gerade mal so groß wie meine Handfläche und stammt aus dem Hochzeitsservice meiner Oma Stefanie, die wir Steffi-Oma nannten. Als ich eine junge Frau war, schenkte sie mir ein paar Teile davon – wie diese kleine Menagerie, die zu einem Lieblingsding avancierte. Sie gefällt mir so gut, weil sie fremdartig wirkt: elegant, einfach, unpraktisch. Man musste wohl sehr feinmotorisch agieren können, um daraus eine kleine Menge an Salz und Pfeffer mit den Fingern zu entnehmen und über die Speisen zu verteilen. Ich hätte Steffi-Oma dabei gerne zugesehen.


Salz- und Pfeffergefäße wurden früher
gerne zu Hochzeiten geschenkt.


Ich mochte sie unglaublich gern – nicht nur als Oma, sondern vor allem als Mensch. Sie war eine für ihre Zeit moderne Frau und befürwortete mein Studium. Dass sie selbst keinen Beruf hatte erlernen können, kränkte sie ein Leben lang. Sie hatte eine direkte Art und sprach aus, was sie dachte. Sehr sympathisch fand ich, dass sie so gerne naschte. In ihrer Kredenz befand sich ein stets gut gefülltes Naschlager, dessen Inhalt sie mit uns Kindern vertrauensvoll teilte. Steffi-Oma liebte auch Äpfel und aß manchmal so viele, dass sie in den zweistelligen Bereich kam (dann klagte sie über Bauchweh, was sie aber nicht daran hinderte, die Äpfel-Challenge zu wiederholen). Bei Besuch wurde sie oft nervös. Dann holte sie jemanden zur Verstärkung und versteckte sich hinter dem Küchentresen, um Brote zu belegen – mit unterschiedlichen Wurstsorten und rotem Paprika aus dem Glas. Die Brote von Steffi-Oma waren ausgesprochen beliebt: wie überhaupt ihre Speisen. Sie führte ein kulinarisches Leben und die kleine Menagerie ist ein Teil davon gewesen.


Salz symbolisierte das weiße Kleid der Braut,
Pfeffer den schwarzen Anzug des Bräutigams.


Das Muster der kleinen Menagerie für Salz und Pfeffer überraschte mich, als ich es mir für diesen Text genauer anschaute. Ich dachte immer, dass Kornblumen abgebildet sind. Doch in Wahrheit leuchten blaue Glockenblumen auf dem alten Porzellan. Weil ich diese Blumen sehr mag, gefällt mir die kleine Menagerie jetzt gleich noch ein wenig besser. Am besten gefällt mir aber ihre Form. Ich sehe darin die Schleife der Unendlichkeit, die man mit dem kleinen Steg über den beiden Schalen in die Hand nehmen und herumtragen kann. Ein schöner Gedanke, oder?

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Die kleine Menagerie für Salz und Pfeffer stammt aus dem Hochzeitsservice meiner Oma. Ich liebe das leuchtende Blau der Glockenblumen auf dem alten Porzellan – und ihre Form. Sie erinnert mich an die Schleife der Unendlichkeit.