Lesestoff

Clara Heinrich
Pusztagold

Die Überraschung meines vergangenen Lesejahres – ein Buch mit Haltung, Zuwendung und Menschlichkeit: Die Ich-Erzählerin kehrt in ihr Heimatdorf in der burgenländischen Puszta zurück und ist bereit zu sorgen: für die Landschaft, Saatgut, die Familienbäume, für einen Menschen, ihren Freund A.

Die Ich-Erzählerin nimmt uns mit in ein Dorf, in dem es nur Reben, Gräser und ein Wäldchen gibt – in ihrem Heimatort in der burgenländischen Puszta. Der Begriff leitet sich von einem altslawischen Wort ab und bedeutet: öde, wüst, leer, verlassen. Und doch wächst hier etwas: beispielsweise Zuwendung und Menschlichkeit. Und so setzt die Ich-Erzählerin auch das Dutzend Pfirsichbäume, die sie von einem Züchter geschenkt bekommen hat, weil sie Trockenschäden haben. Mal sehen, denkt sie sich. Die Ich-Erzählerin glaubt ans Wachsen und an diese Landschaft, in die sie nach Jahren in Berlin, wo sie studiert und gearbeitet hatte, mit ihrem Freund A. zurückkehrt ist. Während sie im Garten arbeitet, fragt sie sich, ob man eine Landschaft wie ein Gedicht lesen kann, das sich über Zeit und Raum erstreckt.


Ich suche Wörter,
in denen ich Platz habe.


Die Ich-Erzählerin ist eine, die bereit ist, zu sorgen: für die Natur, die Pfirsichbäume, für Saatgut, die Liebe, für einen Menschen, ihren Freund A. Er leidet am Chronischen Fatigue-Syndrom und ist körperlich so schwach, dass er den ganzen Tag in einem abgedunkelten Zimmer liegen muss. Obwohl er, wie er sagt, der lufthungrigste Mensch ist, den man sich vorstellen kann, hat er kaum Kraft, seinen Kopf aus dem Fenster zu stecken. Und so lebt er im Innen. Als ihn die Ich-Erzählerin fragt, welche Landschaft man in ihm finden würde, antwortet er: „Ich glaube, zu mir passt die Region hier ganz gut. Die Weite und die Leere, die Trockenheit, die Artenvielfalt, die Stürme.“ Vielleicht könnte Landschaft ein Verb sein, denkt sich da die Ich-Erzählerin. Sie landschaftet. Wir landschaften ...

Dieses Buch taucht ab: in die Natur, ins Menschsein, in Care-Arbeit, in Sprachphilosophie und Sprachkunst, in Wörter. Ich habe es in Etappen gelesen, und nur in ruhigen Momenten, um seiner Würde gerecht zu werden. Das Buch ist bewegend und geht tief – ich hab’s geliebt!

Im Aki Verlag um € 26,95 (A)

Das Buch Pusztagold von Clara Heinrich
Ein Buch mit Haltung, Zuwendung, Menschlichkeit und Würde – mit einer Ich-Erzählerin, die bereit ist, zu sorgen: für die Natur, Saatgut, Wörter, einen Menschen. Ich hab’s geliebt!